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20 Jahre Sinfonisches Blasorchester St. Wendel - Zwei Konzerte: In St. Ingbert und St. Wendel
In diesem Jahr finden zwei Konzerte des Sinfonischen Blasorchesters des  Musikkreises St.. Wendel statt,  am Samstag, den 13.03  in St. Wendel und am Sonntag, den 28.03. in St. Ingbert. 


 

„Impressions of Japan“ - Zwei Konzerte des Sinfonischen Blasorchesters (SBO) St. Wendel 2010
 
Das SBO wird am 13.03.2010, Begin: 20.00 Uhr im St. Wendeler Saalbau und am 28.03.20010, Beginn: 17.00 Uhr in der St. Ingberter Stadthalle wieder zwei Gastkonzerter geben.
 
 
Zur diesjährigen Programmauswahl
 
Unter dem Titel „Impressions of Japan“ steht das Programm des Sinfonischen Blasorchesters St. Wendel im Jahr 2010. Das Orchester und seine beiden Dirigenten Bernhard Stopp und Stefan Barth wollen sich mit dem diesjährigen Programm fremden Kulturkreisen und ihrer für ein Blasorchester ungewohnte Tonsprache widmen.
 
Wie der Titel vermuten lässt steht Japan im Focus der ersten Programmhälfte. Dort gibt es eine junge aber sehr intensive Blasmusikszene, die sich weitgehend an europäischen und amerikanischen Vorbildern orientiert. Das Niveau der Orchester ist sehr hoch, ihr Stellenwert in der Kulturszene auch. Leider findet man wenige Werke japanischer Komponisten, die der Tradition der ursprünglichen japanischen Musik verhaftet sind. Ein  solches Stück ist die Fantasie über ein Japanisches Volkslied von Samuel R. Hazo. Der Fantasie liegt das alte japanische Kinderlied „Sunayama“ zugrunde. „Gloriosa“ aus der Feder von Yasuhide Ito zählt zu den wichtigsten Blasorchesterkompositionen aus Japan. Das  neunzehnminütige Werk handelt in drei Sätzen von der Christenverfolgung im Japan des 17. und 18. Jahrhunderts. Ito verbindet in seinem Werk die Traditionen  japanischer und frühchristlich, gregorianischer Musik zu einem atmosphärisch dichten Tongemälde mit einem mitreisenden Finale. Auch westliche Komponisten haben sich immer wieder von der faszinierenden alten japanischen Kultur inspirieren lassen. So entstand 1992 James Barnes „Impressions of Japan“, in dem er in drei Sätzen seine Eindrücke aus zahlreichen Japanreisen verarbeitete. Der erste Satz „Joetsu Asahi“ beschreibt einen Sonnenaufgang in dem gleichnamigen Dorf am japanischen Meer. In „Todaiji“ steht der größte Buddha der Welt und der gleichnamige Satz würdigt den Buddhismus als wichtigste Religion und Philosophie Japans. Der letzte Satz „Askusa Matsuri“ beschreibt ein typisch japanisches Fest und ist geprägt vom Schlagwerk Hier versucht Barnes, wie er selbst schreibt die „Intensität und Spielfreude traditioneller japanischen Musikgruppen“ einzufangen.
 
Die zweite Programmhälfte steht ganz im Zeichen von Kompositionen, in denen der Einfluss der Jazzmusik unverkennbar ist. Der Begriff des Cross-Over“ spielte in der Jazzmusik schon von Anfang an eine große Rolle. Spätestens seit der Franzose Jacques Loussier die Themen bekannter Komponisten wie Bach, Händel oder Beethoven verjazzte und die Jazzmusik immer mehr Einfluss auf die Film- und Musicalmusik nahm, war klar, dass der Jazz einen wichtigen Faktor bei der Weiterentwicklung und Erneuerung der gesamten Musiklandschaft darstellen würde.
So propagierte der Komponist und Jazzmusiker Gunther Schuller gleich einen neuen Typus von Musik, der sich aus Jazz, klassischer und neuer Musik gleichermaßen bedienen sollte. Auch in den Kompositionen von Leonard Bernstein spiegelt sich der Einfluss der Jazzmusik wider. Dass es aber auch im Repertoire des Blasorchesters eine ganze Reihe von Originalkompositionen gibt, die in beeindruckender Art und Weise beide Genres verbinden, ist vielen eher unbekannt.
Jurriaan Andriessens „Suite für Jazz-Ensemble und Blasorchester“ gilt als Klassiker einer solchen Verbindung. Aber auch in den beiden anderen Werken dieses Programmteils sind die Anleihen von der Jazzmusik unverkennbar. Sowohl Michael Daughertys „Desi“ für kleine Wind-Enselble-Besetzung als auch Stephen Melillos „The Chosen“ verzichten zwar auf Improvisationsteile, aber auch ohne Chorus ist die Nähe zur Jazzmusik unverkennbar. Tonsprache, Phrasierung und Instrumentation weisen eindeutig in diese Richtung und kommen dem von Gunther Schuller propagierten „neuen Musiktypus“ sehr nahe.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


 Zu den einzelenen Werken:

 

"Impressions of Japan" - Zwei Konzerte des Sinfonischen Blasorchesters (SBO) St. Wendel 2010
 
Samstag, 13.03.2010, Beginn: 20.00 Uhr im St. Wendeler Saalbau und am
Sonntag, 28.03.20010, Beginn: 17.00 Uhr in der St. Ingberter Stadthalle
Werkbeschreibungen:
 
- Samuel R. Hazo - Fantasy On a Japanese Folk Song
Die Fantasie erzählt die Geschichte eines japanischen Mädchens, das im Kindesalter von ihren Eltern eine Spieluhr geschenkt bekommt, die das Japanische Wiegenlied „Sunayama“ spielt. Diese Melodie spendet ihr als Kind oft Trost wenn sie traurig ist. Später verliebt sie sich in einen Amerikaner und folgt ihm in die Vereinigten Saaten, obwohl sie sich ihrer Heimat sehr verbunden fühlt. Der Konflikt zwischen ihrer Liebe und dem Heimweh tritt im Laufe der Zeit immer stärker zu Tage, sie fühlt sich in dem fremden Land nicht wohl. Immer wenn das Heimweh sie zu sehr übermannt, nimmt sie die alte Spieluhr und hört die geliebten Melodie aus ihrer glückliche Kindheit
 
- Yasuhide Ito - Gloriosa
 Gloriosa zählt zu den wichtigsten Blasorchesterkompositionen aus Japan. Das  neunzehnminütige Werk handelt in drei Sätzen von der Christenverfolgung im Japan des 17. und 18. Jahrhunderts. Ito verbindet in seinem Werk die Traditionen  japanischer und frühchristlich, gregorianischer Musik zu einem atmosphärisch dichten Tongemälde mit einem mitreisenden Finale. Der erste Satz Oratio entwickelt sich aus einem sehr ruhigen Beginn, mit einem original gregorianischen Choralthema. Das Thema wird in 13 Variationen sowohl dynamisch, als auch im Tempo weiterentwickelt um dann plötzlich abzubrechen. Der zweite, langsame Satz Cantus ist geprägt von zahlreichen Soli, besonders die japanische Ryuteki Flöte steht im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens. Der letzte Satz Dies Festus besticht durch große Kontraste. Über weite Strecken ist die Musik sehr wild, vorangetrieben von vier verschiedenen Trommelstimmen, dazwischen sind aber immer wieder überraschend schlichte Choralpassagen zu finden.
 
- James Barnes – Impressions of Japan
Auch westliche Komponisten haben sich immer wieder von der faszinierenden alten japanischen Kultur inspirieren lassen. So entstand 1992 James Barnes Impressions of Japan, in dem er in drei Sätzen seine Eindrücke aus zahlreichen Japanreisen verarbeitete. Der erste Satz „Joetsu Asahi“ beschreibt einen Sonnenaufgang in dem gleichnamigen Dorf am japanischen Meer. In Todaiji steht der größte Buddha der Welt und der gleichnamige Satz würdigt den Buddhismus als wichtigste Religion und Philosophie Japans. Der letzte Satz „Askusa Matsuri“ beschreibt ein typisch japanisches Volksfest und ist geprägt von üppigem Schlagwerk. Hier versucht Barnes, wie er selbst schreibt die „Intensität und Spielfreude traditioneller japanischen Musikgruppen“ einzufangen.
 
Everard Sigal „Rhapsodie für Klavier und Blasorchester“ (Uraufführung)
Der saarländische Komponist Everard Sigal schrieb 2006 ein Konzert für Klavier und Blasorchester, er schreibt über sein Werk:
„Die Idee zu einer Komposition für Klavier und Blasorchester liegt schon geraume Zeit zurück, aber erst 2006 kam sie zur Ausführung. Die Kombination Blasorchester und Solo-Klavier ist sehr reizvoll und Werke dieser Art sind eher selten. Die Tonsprache ist spätromantisch und die Vorbilder (vor allem Rachmaninov) sind bewusst hörbar. Das einsätzige Werk folgt einem modifizierten Sonatensatz mit in der Reprise vertauschten Themen. Alle Themen leiten sich aus einem Grundgedanken ab, einschließlich der eigenständigen Themen in der Coda. Die Anforderungen an den Solisten sind nicht extrem. Vor allem das Zusammenspiel von Klavier und Orchester steht im Vordergrund. Der Titel "Rhapsodie" zielt auf die Einsätzigkeit und die Fülle des thematischen Materials, das ständig polyphon miteinander kombiniert wird“.
Das Sinfonische Blasorchester wird das Werk mit dem Komponisten als Solisten aufführen.
 
Michael Daugherty              Desi
Michael Daugherty studierte zunächst klassisches Klavierspiel und war aber lange Zeit auch als Jazz-, Rock- und Funkkeyboarder aktiv. Im Anschluss begann er ein Kompositionsstudium an der Yale-University, das er 1986 mit dem Doktortitel abschloss.Danach folten weitere Studien, zum Beispiel in Hamburg bei György Ligeti. Heute hat er eine Professur an der University of Michigan School of Music inne. Nahezu alle großen Orchester der USA haben Kompositionen von ihm aufgeführt und er zählt in den USA zu gefragtesten lebenden Komponisten.
 
In den USA gibt es neben der üblichen großen Blasorchesterbesetzung die so genannte „Wind Symphony“ beziehungsweise „Symphonic Winds“-Besetzung. Meist handelt es sich dabei um Werke, die mit der Bläserbesetzung eines Sinfonieorchesters aufführbar sind. Also werden alle Stimmen solistisch besetzt und z.B. auf Saxophone und Baritone / Euphonien verzichtet.
 
In der Tradition dieser Besetzung steht Michael Daughertys Desi, das 1991 uraufgeführt wurde. Mittlerweile hat dieses Werk einen immensen Bekanntheitsgrad erlangt und gehört nicht nur zum Repertoire so bekannter Blasorchester wie dem Tokio Kosei Wind Orchestra oder der U.S. Marine Band sondern wurde auch von den Bläsern des Tonhalle-Orchesters Zürich und des St. Louis Symphony Orchestra aufgeführt.
 
Desi ist dem Bongo- und Congavirtuosen Desi Arnaz gewidmet, der in den 40-er Jahren durch viele Musicalverfilmungen Hollywoods bekannt wurde. Das rhythmische Eröffnungsmotiv, auf dem der größte Teil der weiteren Komposition basiert, ist ein Zitat aus seinem „Conga-Dance“. Dieses Motiv wird kanonisch immer komplizierter miteinander vermengt und verwoben, wieder in die einzelnen Bestandteile zerlegt, bis das Werk schließlich in einem brodelnden polyrhythmischen Finale endet.
 
Stephen Melillo: Time to take back the Knights!
In Anschluss an seine Schullaufbahn begann Stephen Melillo zunächst ein Physikstudium, das er jedoch abbrach um am „Boston Conservatory of Music“ und an der Columbia University Musik zu studieren.
Abgesehen von seinen Werken für Blas- und Sinfonieorchester hat er auch die Musik für 28 Fernsehproduktionen komponiert sowie diverse Filmsoundtracks und sogar mehrere Kinderbücher geschrieben.
 
Ein interesanter Aspekt seines Schaffens ist auch, dass er für Nintendo, Sega und IBM Musik komponiert hat und dass die Erkennungsmelodien der New York Yankees und Giants seiner Feder entstammen. Insgesamt hat Melillo über 900 Werke für die verschiedensten Ensembles und Genres verfasst.
In den letzten 15 Jahren hat Steven Melillo eine ganze Reihe von Werken komponiert, die sich unter dem Titel „Amerikanische Heroen“ zusammenfassen lassen. Dieser Serie entstammt auch „Time to Take Back the Knights!“ (frei  übersetzt: Es ist an der Zeit, dass die Helden zurückkehren). Melillo schlägt als alternativen Titel “The Chosen” (Der Auserwählte) vor.
 
Die Komposition ist ein Auftragswerk für das Rancho Buena Vista High School Wind Ensemble und trägt die Widmung „Für alle Eltern, Familienangehörige und Freunde derer, die in Musikschulen und Konservatorien in den USA und der ganzen Welt eine neue Generation von Heroen erwecken – sie selbst sind Heroen.“
Solche blumigen Titel, Sichtweisen und Widmungen sind typisch für Stephen Melillo, dessen Werke immer stark von der Popularmusik inspiriert sind und die deshalb auch ein breites Publikum emotional anzusprechen vermögen. So treffen auch in „Time to take back the knights!“ Jazzmusik und typische Filmmusikelemente aufeinander: Auf eine bluesartige Einleitung (City Blues Nocturne) folgen fanfarenartige Blechbläsersignale, die schließlich in einen hektischen und unruhigen Jazzteil müden, in dem – ganz im Stil der Filmmusik der 70-er Jahre – Funk und BeBop-Elemente aufeinander treffen. Im Kontrast dazu stehen die ruhigen, hymnenartigen Einschübe, die immer sehr abrupt den Drive des Jazzteils unterbrechen.
 
Thematisch ist das Werk einfach gestrickt, in allen Teilen wird das Eröffnungsmotiv wieder aufgegriffen und melodisch verarbeitet. Dennoch ist Melillo eine sehr abwechslungsreiche und spannende Komposition geglückt, die durch ihre Gegensätze und Klangfarben besticht.
 
Jurriaan Andriessen -  Suite für Jazz Ensemble und Blasorchester
Jurriaan Andriessen (1925 - 1996) war Spross einer der bekanntesten niederländischen Komponist enfamilien. Sein Vater Hendrik Andriessen (1892–1981) und sein Bruder Louis Andriessen (* 1939) gehören ebenfalls zu den wichtigsten niederländischen Komponisten des 20. Jahrhunderts.
 
Er studierte Komposition bei Olivier Messiaen und erhielt 1948 mit seiner Komposition Het monsterlijke uur für Blasorchester und zwei Klaviere den Johan Wagenaar-Preis in den Niederlanden. Weitere Studien folgten aufgrund eines Stipendiums der Unesco und später durch die Rockefeller-Foundation bei Aaron Copland und Sergei Kussewizki sowie am Berkshire Music Centre in Tanglewood, Massachusetts, USA.
 
Er schreibt zu seiner Suite für Jazz Ensemble und Blasorchester: „Die Suite wurde im Winter 1981-1982 im Auftrag der niederländischen Regierung geschrieben. Beabsichtigt war ein Stück – und ich hoffe, es ist mir gelungen – in dem gute Jazzmusiker und Blasorchester einander finden und zusammenspielen können.“

 

 

 

 






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Josef Petry
BSM-Präsident